„Freie Szene Berlin: Eine Gemeinschaft ohne Wir“ • Berliner Gazette 4.11.13

ein lesenswerter Dialogbeitrag von Tanja Krone und Sandra Man in der „Berliner Gazette“ über das Antragswesen bei Kunstprojekten, die Wirkungen auf die sich Bewerbenden und allgemeiner auf die „freie“ Kunstproduktion. Ob Berlin, Hamburg oder woanders, ja gerade die Entwicklung bei „wirsindwoanders“ (Hamburg 2006 – 2010)  bestätigt viele der in dem Text angesprochenen Aus-und Abgrenzungswirkungen unter den Beteiligten.  Die eine oder der andere kann sich evtl. noch an die Diskussion (29.10.2007)  über eine gerechtere Verteilung der Fördersummen für die freien Kunstorte , eine andere Jurierung usw. erinnern, die Diskussion darüber wurde zum erbitterten Streit. Weder ein Impuls für mehr Fördergelder, noch eine Idee für eine bessere Verteilung der Gelder entstand aus den eingebrachten Vorschlägen.

link zum Artikel>>>

Textauszug:

„Bekämpfen, beherrschen und kontrollieren

Die von den Freien Kunstschaffenden verfassten Anträge sind aber natürlich nur der Effekt der Ausschreibungen. Diese geben die Richtung des Diskurses und der Praxis vor, sie selektieren nicht nur »passende« Konzepte und Projekte, sondern sind Herrschafts- und Kontrollinstrumente, die anstatt Freiräume zu schaffen, Kunstproduktion determinieren. Indem sie bestimmen, welche Themen relevant sind bzw. zu sein haben, indem sie entscheiden, welche Formate angesagt sind. Dabei berufen sie sich – nicht explizit, aber offensichtlich – auf Trends, die fortgesetzt und bestätigt werden sollen und Themen, die im Feuilleton breitgetreten werden. So entsteht »Innovation« in und »gesellschaftliche Relevanz« von Kunst.

Das Antragswesen dient dem Zweck, alles Experimentelle, alles Prozesshafte, alles Undisziplinierte von vornherein zu bekämpfen, zu beherrschen, zu kontrollieren. Man macht nicht der Kunst einen Antrag, sondern dem Betrieb. Irgendwann erkennt man den Unterschied zwischen den beiden Anträgen auch nicht mehr (an). Man verwechselt den Betrieb mit der Kunst und kann nicht mehr unterscheiden zwischen dem, was man machen will und dem, was man verkaufen muss, zwischen den Sprachen, die man suchen möchte und der, die man beherrschen und befolgen muss, um etwas und sich durchzubringen. Das Antragswesen wirkt nicht nur in den abgelehnten Anträgen, sondern schon in den zu schreibenden und auch in vielen der durchgebrachten als ein monströser Erstickungsapparat.“

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter aktuelles, Archiv, Kunst, Medienkritik abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s