macht Ideenklau kleine Künstler groß?

„Gute Künstler kopieren, große Künstler stehlen“ Pablo Picasso
.. nur fällt es gelegentlich auf, wie einfallslos die Aneignung mitunter ist, besonders in einer Kunstprovinz wie Hamburg.  Aktuelles Beispiel:

Certain Sundays – ein Präsentationsreihe in Berlin (wird nicht mehr gefördert), was fällt einem pfiffigen Kunstvereinsartist in Hamburg ein: Channel Sundays.

„Wir haben auch extreme Gutmenschen, die eigentlich schon Anti-Deutschland eingestellt sind“ DLF 4.8.15

Zur späten Frühstückszeit am 4. August 2015 im Deutschlandfunk,
Katja Schneidt im Gespräch mit Mario Dobovisek.
Herr Dobovisek versucht sich in Realitätsbeschreibung: „Morgen kommen 50 Flüchtlinge in die Stadt“, dann muss ganz schnell gehen – (…). Die zunehmende Zahl an Flüchtlingen ist eine Belastung für die Städte und Gemeinden. Mettmann (ein Ort in Nordhessen, d.V.) hat unter anderem deshalb bereits die Grundsteuer erhöht.(… um ca. 3% oder war es ein Vorwand?, d.V.)
Der Schauspieler Til Schweiger hat vor zwei Wochen auf seiner Facebook-Seite im Internet einen Spendenaufruf des „Hamburger Tageblatts“ für Flüchtlinge geteilt und wurde anschließend mit tausenden Kommentaren überhäuft – einige davon waren sehr kritisch, zum Beispiel, „Uns Deutschen hilft ja auch keiner, die wollen alle bloß die Kohle abgreifen, wo soll das noch enden?“ Schweiger platzte der Kragen, noch am gleichen Tag antwortete er:“Oh Mann- ich habs befuerchtet!! Ihr seid zum Kotzen! Wirklich! Verpisst Euch von meiner Seite, empathieloses Pack! Mir wird schlecht!!!“
(mehr über den link oben)
und kurz danach Dobovisek:
„Und Til Schweiger will auch weiterhelfen, engagiert sich für den Aufbau eines Flüchtlingsheimes in Osterode im Harz. Aber sind die kritischen Fans, die er beschimpft, durchweg Nazis? Die Autorin Katja Schneidt sagt Nein und antwortet Schweiger auf Facebook ausführlich Ende vergangener Woche und löst damit wiederum eine neue Debatte aus. (…) Ich grüße Sie, Frau Schneidt!
Katja Schneidt: Ich grüße Sie!
Dobovisek: Warum sind Til Schweigers Fans Ihrer Meinung nach keine Nazis?“

Oha!! Til Schweiger hat nicht von Nazis geschrieben, sondern manche seiner Kritiker als „empathieloses Pack“ charakterisiert. Personen, die dem Gegenüber falsche Begriffe in den Mund legen, um in Zeitungskommentaren eine Steilvorlage für die eigenen Ressentiments zu liefern, wird in Internetforen als Trolle bezeichnet.
Hr. Dobovisek ein Troll? Eher ein Troll mit Tarnkappe, denn die Ressentiments breitet nun Katja Schneidt aus.
Und Frau Schneidt kann es, sie liest „Herr Schweiger“ die Leviten, er hätte „differenzieren“ müssen, bei seiner „Vorbildfunktion“, und überhaupt, „seit 2010 haben sich die Zahlen der Asylsuchenden verachtfacht“ – aha, von 3000 auf 24000 oder von 1 Million auf 8 Millionen?

Wir werden in diesem Jahr fünf Milliarden Euro bereitstellen müssen, um das stemmen zu können. Im Gegenzug ist die Rentenerhöhung immer noch unter der Inflationsrate.“

Also, wenn eine die Zahlen kennt, dann Fr. Schneidt.  War sie bislang für eine Rentenerhöhung eingetreten – und was hat die Rentenpolitik nun mit Geldern für die Asylsuchenden zu tun?

Aber so werden Ängste geschürt: „Das Problem ist, dass wir aber fast 40 Prozent Wirtschaftsflüchtlinge aus den Balkanländern haben und dass diese Menschen teilweise fünf, sechs Monate hier sind, bevor sie in ihre Heimatländer zurück abgeschoben werden…
und so weiter, Innenminister de Maziere kann sich auf seine medialen Vorbereiter  verlassen.

Wie die Wirtschaftsflüchtlinge zu solchen werden, das wäre zuviel für die Beiden, wo sie sich gerade so gut verstehen.
Also Hr.Dobovisek will es noch mal von ihr wissen: „Aber warum denken Sie, entlädt sich dieser Frust und der Hass dann ausgerechnet auf jene, die überhaupt nichts für die angesprochene Problematik können, nämlich die Flüchtlinge?“
– und siehe da, Fr. Schneidt antwortet mit derselben Trollstrategie, die er zuvor ins Spiel brachte:

Man muss wirklich differenzieren“… „Nicht jeder, der einfach mal Ängste äußert oder sich Sorgen über die Zukunft Deutschlands macht, ist gleich ein Nazi“
– 
kein Nachfragen, nein, die Interviewpartner verstanden sich auf Anhieb, und so soll das Trollgekuschel auch weitergehen:

Dobovisek:
 Und dazwischen liegt vielleicht der Begriff Asylkritiker – sind Sie eine Asylkritikerin?Schneidt: Nein, ich bin definitiv keine Asylkritikerin

Nein, wie das denn? Sie will nur den „falschen Flüchtlingen“ sofort die Tür weisen, die ihre Altersrente bedrohen – sie als Bestsellerautorin fühlt mit uns/euch, ihr armen, minderbemittelten Deutschen. Denn das Ganze ist „ein Faß ohne Boden“ – und so weiter, usw. – nun es ist das Morgenradio im Deutschlandfunk, der funkt für Deutschland und das denkt dann ebenso, wie der DLF Auftrag lautet – also lieber ausschalten?

Doch da läuft Fr. Schneidt nochmal in Höchstform auf.
Hr. Dobovisek hatte ihr gerade geschmeichelt: „…auch Ihr Post, Frau Schneidt, wurde ja tausendfach geteilt, wir haben es vorhin gesagt und kommentiert – haben Sie damit gerechnet?
Schneidt: Nein. Also ich habe damit überhaupt nicht gerechnet… es kann doch nicht sein, dass jeder, der auch nur mal irgendetwas kritisch anmerkt, sofort in die Naziecke gestellt wird.“
– soll es so langweilig weitergehen?- nein Hr. D. fragte nach:
… -offenbaren die sozialen Medien wie Facebook oder Twitter jetzt all das, was sonst eher im Verborgenen gebrodelt hat?
Wieso im Verborgenen? Brennen Flüchtlingsunterkünfte im Verborgenen, stehen die unzähligen Hasskommentare in den Zeitungen im Verborgenen?
Fr. Schneidt vermittelt: Ich denke mal, das ist doch ganz klar. Natürlich haben wir hier Nazis, natürlich haben wir hier Menschen mit einer rechten Gesinnung, das ist gar keine Frage. Wir haben auch extreme Gutmenschen, die eigentlich schon Anti-Deutschland eingestellt sind, auch das haben wir.“

Ja auch das haben wir, das muß nun mal gesagt werden,  stellt euch das mal vor, Gutmenschen, die extrem Anti-Deutschland sind, also die Gutmenschen bedrohen Deutschland, die sind in unserer Mitte, nein, die gehören an den Rand:
“ Aber man kann das doch nicht als die Masse der Bevölkerung abbilden.“

Hat das jemand außer das jemand außer den Beiden getan?
Auch egal – Dobovisek: Die Autorin Katja Schneidt über Angst und Wut und die Vielzahl an Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen. Ich danke Ihnen für das Gespräch!
Schneidt: Bitte schön, sehr gerne!“

Der„Empathie“ spielt in den letzten Jahren als Begriff  in öffentlichen Debatten ein größere Rolle, vor 10 Jahren wäre die Tagespresse eher auf Umschreibungen wie Mitgefühl angewiesen, nur Wenige hätten mit dem Begriff etwas anfangen können.
Nun in dem Interview von Hr. Dobovisek die  vereinfachte Gleichsetzung: Nazis = empathielos.
Berichte und Bilder aus der NS Zeit zeigen begeisterte Anhänger, die nur so vor Mitgefühl für alles Deutsche trieften. Die wirkungsvollste Masche der Nazis, um Deutsche für ihre Verbrechen zu begeistern, war das hervor kitzeln des Mitgefühls  (Empathie) für alles Deutsche, für die deutschen Interessen, gegen die Bedrohungen alles Deutschen, die „Blutverderber der Deutschen“ usw. – empathielos kann das nicht benannt werden.
Doch die extremen Gutmenschen sind Anti-Deutschland eingestellt sagt Frau Schneidt und Hr. Dobovisek stimmt ihr freudig zu – im Deutschlandfunk, am 4. August 2015 morgens um 8 Uhr.

Eine Kommentarmöglichkeit hat der DLF nicht – so bleibts im Verborgenen, „was da brodelt“.

Der aktuelle Atomdeal mit dem Iran ähnelt Atomvertrag mit Nord Korea…

Entwicklung in Nord Korea:
Nordkoeanisches Kernwaffenprogramm (Wikipedia)
im Kontrast zu den Jubelkommentaren in DLF, Dradio und in der deutschen Presse:
Stephan Grigat kritisiert im RBB den Atom-Deal mit dem Iran:

… die Behauptung, Netanyahu und seine „Hardliner“ allein würden in Israel das Abkommen kritisieren, ist unwahr, auch die Opposition hat dazu eine kritische Position.

 

Die deutsche Besatzung(spolitik) in Griechenland und ihre „Bewältigung“ . Hagen Fleischer Dez. 2013

Prof. em. Dr. Hagen Fleischer, Jg. 1944, lehrt weiterhin an der Universität Athen neue und neueste Geschichte in Oberseminaren.
Der vorliegende Beitrag ist die überarbeitete Fassung seines Vortrags beim internationalen Symposion der Südosteuropa-Gesellschaft zum Thema „Vor‐ und Gründungsgeschichte der Südosteuropa- Gesellschaft: Kritische Fragen zu Kontexten und Kontinuitäten“ (Redaktion des Beitrags: Dr. Claudia Hopf).

darin:

„Als dann am 12. Oktober 1944 die Wehrmacht angesichts der sich verschärfenden gesamtstrategischen Lage aus Athen abziehen musste, legte eine Ehrenkompanie am Grabmal des Unbekannten Soldaten einen Kranz nieder, um „zu bekunden, dass die Deutschen nicht als Feinde Griechenlands das Land betreten“ hätten. Verdrängt wurde die Erinnerung an Zehntausende zivile Opfer des Repressalterrors, an die 60.000 jüdischen Opfer des rassistischen Genozids.25 Weit über 100.000 Menschen krepierten elendiglich an Hunger, die Gebur‐ tenrate stürzte ins Bodenlose. Jeder dritte Grieche litt an epidemischen Infektionskrankheiten (Malaria, Tuberkulose, Typhus, etc.); in manchen Regionen waren 60‐70 % betroffen, insbesondere Kinder. Kaum zu berechnen sind die Verluste durch die Hyperinflation sowie die deutsche Zerstörung der Infrastruktur als Folge raubwirtschaftlicher Ausbeutung (Bergwerke, Wälder, etc.) und systematischer Vernichtung bei Sühnemaßnahmen oder während des Abzuges: Die meisten Eisenbahnbrücken gesprengt, weit über 80 % des rollenden Materials ruiniert oder entführt; 73 % der Handelstonnage versenkt, fast 200.000 Häuser total oder zum Teil zerstört.“

„In einer Ressortkonferenz forderte Staatssekretär Karl Carstens (der spätere Bundespräsident): Sollten sich die Hellenen weiterhin störrisch erweisen, „dürfte es notwendig sein, gegenüber Griechenland Repressalien [sic] vorzunehmen“ – etwa in Form einer öffentlichen Warnung vor der Einreise, die ernste Konsequenzen fürden Tourismus hätte.“

Textquellen siehe verlinkter Text.

„Deutschland hat nie bezahlt“

2 Zitate aus dem  Interview mit Thomas Piketty  in der Zeit Online (27.6.15) :


„Wenn ich die Deutschen heute sagen höre, dass sie einen sehr moralischen Umgang mit Schulden pflegen und fest daran glauben, dass Schulden zurückgezahlt werden müssen, dann denke ich: Das ist doch ein großer Witz! Deutschland ist das Land, das nie seine Schulden bezahlt hat. Es kann darin anderen Ländern keine Lektionen erteilen.“

„Deutschland ist wirklich das Vorzeigebeispiel für ein Land, das in der Geschichte nie seine öffentlichen Schulden zurückgezahlt hat. Weder nach dem Ersten noch nach dem Zweiten Weltkrieg.“

Elbkulturfonds 2015 • 50 : 7 die Gewinnchancen

Insgesamt 57 Anträge aus verschiedenen Sparten und Themengebieten sind für den Elbkulturfonds 2015 bei der Kulturbehörde Hamburg eingegangen. „Bei der Jury des Elbkulturfonds handelt es sich um ein von der Kulturbehörde unabhängiges Gremium aus externen Experten aus dem Bereichen Kunst und Kultur. Die Jury trifft ohne Einfluss seitens der Kulturbehörde ihre Entscheidung. Bei der diesjährigen Jurysitzung des Elbkulturfonds 2015 ergab es sich nun erstmalig, dass die Jury durch die ausgewählten Projekte einen inhaltlichen roten Faden erkannte und zum Ausdruck bringen wollte. Dieser rote Faden wurde auf Betreiben der Jurymitglieder entwickelt.“
Wie bereits in den Jahren 2013 und 2014 wurden sieben zu fördernde Projekte benannt. Der Jury gehörten dieses Jahr Frau Prof. Sabina Dhein, Hochschule für Musik und Theater, Hamburg, Herr Prof. Dr. Florian Matzner, Akademie der Bildenden Künste, München, Herr Prof. Dr. Friedrich von Borries, Hochschule für Bildende Kunst Hamburg, Herr Matthias von Hartz, Berliner Festspiele, Berlin und Frau Dr. Margarte Zander, freie Journalisten Berlin/Hamburg, an.
…Der rote Faden wurde erkannt – ganz zufällig von einer Jury mit Matthias von Hartz, der langjähriger Leiter des Sommerfestivals auf Kampnagel war. Anzunehmen ist die Aufführung einiger Projekte des Elbkulturfonds auf Kampnagel:
Jan Dvorak und Baltic Raw ist dort ständig präsent, wo wird der  Der Botschafter: ein deutsch-afrikanisches Singspiel, oder „Planet Hamam – Das osmonische Reich“ aufgeführt?
Die Auswahl  fördert Künstlerinnen, die schon des öfteren mit Fördergeldern bedacht wurden (die ersten 4). Eher ärgerlich für die 50 nicht geförderten Projekte, nachdem der rote Faden gefunden  Weiterlesen „Elbkulturfonds 2015 • 50 : 7 die Gewinnchancen“

Künstler machen auf Ikea – in Hamburg

am 30.6.14 eröffnet Ikea seine 1. Innenstadtfiliale in Hamburg-Altona, genauer, in der Großen Bergstraße inmitten eines Wohnviertels.Dafür wurden mithilfe einer beispiellosen Medienkampagne die lokalen Widerstände liquidiert.  mehr dazu >>
Die lokalen Künstler und „Kunst“ Veranstalter sollen und wollen offenbar bei der ästhetischen Anpassung dabei sein. …. hierzu eine Sammlung:
die Altonale, nervt seit fast 20 Jahren mit ihren Freßbuden, dem kümmerlichen Künstlermitmischen usw.

  • da müssen dann auch die unterfinanzierten Stadtteil Kulturzentren  mit einigen Events dabei sein – und die kostenlosen Stamp Künstler betreuen – sonst wird das Bezirksamt böse…
  • das „umgekehrten Dokumentarismus“ Projekt im Künstlerhaus Frise kommt zwar aus Kopenhagen. Die Exponate wirken wie dem Ikea Katalog für die gehobene Mittelschicht entnommen. Die Veredelung des Ikea Images gabs vor 5 Jahren schon mal im Museum für Kunst und Gewerbe mit einer Ikea Design Ausstellung – in der Pinakothek der Moderne in  München und wo noch immer sonst auch.

 

Krim – Simferopol – Massenexekution von 14 000 Juden (9.-13.12.1941) – der „Fall Eggebrecht“

Viel wird momentan über die „Krise“ in der Ukraine geschrieben, gesprochen und gepostet. Ganz aktuell, die Stadt Simferopol auf der Krim. Vor gut einem ¾ Jahr war der Ort Simferopol schon mal Thema in einigen wenigen deutschen Medien: Die Diskussion um den „Fall Eggebrecht“ verwies auf  jene Feldgendarmerieabteilung 683, die „1941 in Simferopol auf der Krim an einer Massenexekution von 14 000 Juden beteiligt war.“
Zwischen dem 9. – 13.12. 1941  wurden mindestens 14000 Menschen jüdischen Glaubens  von Erschießungskommandos ermordet.
„Dieses Verbrechen in Simferopol markiert mit weiteren vergleichbaren Massenhinrichtungen die Frühphase des Holocaust, der sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht als anonymes, maschinelles Auslöschen darstellte, sondern als Töten, bei dem Täter und Opfer unmittelbar miteinander konfrontiert waren.“ Neuere Forschungen von Boris von Haken hatten ergeben, daß ein „bedeutender Ordinarius bundesdeutscher Musikwissenschaft, Hans Heinrich Eggebrecht, Mitglied  jener Feldgendarmerieabteilung 683 gewesen war.

Eine Realität, die von vielen deutschen Musikwissenschaftlern offenbar ähnlich ausgeblendet wurde (daher die Bezeichnung „der Fall Eggebrecht“), wie die Tatsache, daß die russische Regierung eine andere Erinnerung an die deutschen Einmischung in die ukrainische Politik hat, als der Mainstream der deutschen Medien oder ihr Schmuseboxer W.Klitschko.

Recht auf Stadt für alle? • Interview mit A.Holm • SZ 2.12.13

aus dem lesenswerten Interview von Laura Weißmüller mit Andre Holm in der SZ 2.12.13:
„Kann es sie geben, die Stadt für alle?
Nein. Das ist ein Mythos, der zu einer völligen Depolitisierung von Stadt- und Wohnungspolitik führt. Wir haben in allen Gesellschaftsbereichen soziologische Befunde, die besagen, die Gesellschaft fragmentiert sich immer weiter. Es wäre völlig absurd davon auszugehen, dass ausgerechnet in der Stadt und der Frage des Wohnens eine große Harmonie und Einheitlichkeit gefunden werden kann. Aber fast alle Parteien versprechen, die Stadt für alle zu bieten – mit jeweils unterschiedlichen Ausschmückungen. Es gibt keine Partei, die sagt, ich vertrete die Belange der Hartz-IV-Empfänger und Familien, die sich in den Zentren keine Wohnung mehr leisten können. Dabei wäre es sehr viel ehrlicher, wenn man verstehen würde, wer eigentlich für welche Interessen streiten möchte.“

Die Forderung nach der Stadt für alle ist also vor allem politische Augenwischerei?
„Die Stadt für alle suggeriert: Es wird eine technische Lösung geben, die es allen recht macht. Aber es wird keine Wohnung für alle geben. Die Wohnung ist immer nur für einen da. Es geht darum, die Konkurrenzen sichtbar zu machen und einen Modus zu finden, wie man regulierend eingreift. Die Stadt für alle kann es gar nicht geben, weil Stadt immer umkämpfter Raum ist.“  

„Kinder helfen Kindern“ lässt das Lucia Fest im Hamburger Michel feiern. 14.12.13

Ein Paradebeispiel für das Kurzschließen von reaktionären Tinnef und  Event Propaganda.
Nein, es wird nicht Santa Lucia Fest im Abendblatt genannt, im Ndr Tv wurden zwar die tapferen Kinder wegen ihrer auf den Kopf tropfenden Santa Lucia Kerzen gefeatured, die wie von Sinnen durch die schwedische Gemeinde gehen mussten. Das war am Freitag, den 13.12.2013, einen Tag später dann das Event im Michel: Ein märchenhafter Abend, die Benefizveranstaltung des Abendblatt Vereins „Kinder helfen Kinder“. Mit Santa Lucia Lied, Oscar Wildes „der glückliche Prinz“ und, und und  – ein „Fest des Gebens“ – für was ?  die „Hamburger Märchentage“ und die „Dollen Deerns“.

siehe: Ein märchenhafter Abend. HAB 16.12.13

Nun ja, nur warum mit dem Santa Lucia Fest, das in der Tradition älterer Sonnenwendfeierlichkeiten steht (1752 fiel die Wintersonnenwende auf den 13. Dezember)

2_New_Julleuchters

Julleuchter

„Ab 1938 wurde den Angehörigen der SS von Heinrich Himmler ein sogenannter Julleuchter und ein Julteller als Weihnachtsgabe überreicht.[37] Diese aus gebranntem Ton bestehenden, mit Runen und altgermanischen Sinnbildern verzierten Kerzenleuchter wurden größtenteils für die SS-eigene Porzellanmanufaktur Allach[139] in den Konzentrationslagern Dachau und Neuengamme in großen Stückzahlen gefertigt. Neben den Julleuchtern aus Keramik waren zahlreiche Modelle aus Holz, meist mit einer zentralen Sonnenscheibe oder anderen Motiven aus der germanischen Mythologie, weit verbreitet.“
aus, und mehr über deutsche Weihnachtsbefindlichkeiten: Nationalsozialistischer Weihnachtskult (Wikipedia)

„Freie Szene Berlin: Eine Gemeinschaft ohne Wir“ • Berliner Gazette 4.11.13

ein lesenswerter Dialogbeitrag von Tanja Krone und Sandra Man in der „Berliner Gazette“ über das Antragswesen bei Kunstprojekten, die Wirkungen auf die sich Bewerbenden und allgemeiner auf die „freie“ Kunstproduktion. Ob Berlin, Hamburg oder woanders, ja gerade die Entwicklung bei „wirsindwoanders“ (Hamburg 2006 – 2010)  bestätigt viele der in dem Text angesprochenen Aus-und Abgrenzungswirkungen unter den Beteiligten.  Die eine oder der andere kann sich evtl. noch an die Diskussion (29.10.2007)  über eine gerechtere Verteilung der Fördersummen für die freien Kunstorte , eine andere Jurierung usw. erinnern, die Diskussion darüber wurde zum erbitterten Streit. Weder ein Impuls für mehr Fördergelder, noch eine Idee für eine bessere Verteilung der Gelder entstand aus den eingebrachten Vorschlägen.

link zum Artikel>>>

Textauszug:

„Bekämpfen, beherrschen und kontrollieren

Die von den Freien Kunstschaffenden verfassten Anträge sind aber natürlich nur der Effekt der Ausschreibungen. Diese geben die Richtung des Diskurses und der Praxis vor, sie selektieren nicht nur »passende« Konzepte und Projekte, sondern sind Herrschafts- und Kontrollinstrumente, die anstatt Freiräume zu schaffen, Kunstproduktion determinieren. Indem sie bestimmen, welche Themen relevant sind bzw. zu sein haben, indem sie entscheiden, welche Formate angesagt sind. Dabei berufen sie sich – nicht explizit, aber offensichtlich – auf Trends, die fortgesetzt und bestätigt werden sollen und Themen, die im Feuilleton breitgetreten werden. So entsteht »Innovation« in und »gesellschaftliche Relevanz« von Kunst.

Das Antragswesen dient dem Zweck, alles Experimentelle, alles Prozesshafte, alles Undisziplinierte von vornherein zu bekämpfen, zu beherrschen, zu kontrollieren. Man macht nicht der Kunst einen Antrag, sondern dem Betrieb. Irgendwann erkennt man den Unterschied zwischen den beiden Anträgen auch nicht mehr (an). Man verwechselt den Betrieb mit der Kunst und kann nicht mehr unterscheiden zwischen dem, was man machen will und dem, was man verkaufen muss, zwischen den Sprachen, die man suchen möchte und der, die man beherrschen und befolgen muss, um etwas und sich durchzubringen. Das Antragswesen wirkt nicht nur in den abgelehnten Anträgen, sondern schon in den zu schreibenden und auch in vielen der durchgebrachten als ein monströser Erstickungsapparat.“

Sollte die Musik von John Cage vor ihren Interpretatoren „beschützt“ werden ?

Mittlerweile gehört die Aufführung von Kompositionen von John Cage zu dem Standardrepertoire vieler Interpreten Neuer Musik. Gerne genommen werden dazu die „Number Pieces“ aus seinen späteren Jahren. Zum Einen sind sie nicht gerade schwer aufzuführen: die „Time Brackets“ als wesentlicher Bestandteil der Komposition geben Dauer und Einsatzzeitpunkt an, was genau gespielt wird, können die Interpreten entscheiden. Zum Anderen macht es sich gut, den berühmten Komponisten im Repertoire zu haben. Allerdings verlangen die Aufführung auch dieser Stücke eine performative Präsenz und Haltung, die offenbar vielen aktuellen Interpreten abhanden gekommen ist. Das Ergebnis sind peinlich langatmige, oft ins esoterische abgleitende Inszenierungen.

Wie anders dagegen seine TV Performance  „Water Walk“ von 1960, oder die Interpretationen seiner Freunde David Tudor oder Frederic Rzewski.

Clandestine Kreative im Finanzamt Altona (GB 264)

Das ehemalige Finanzamt Hamburg-Altona in der Großen Bergstraße 264 stand schon zwei Jahre leer, als es im Herbst 2009 den Frappant Künstlern angeboten wurde. Um sie schnellstmöglich aus dem Frappant zu bekommen und damit Ikea ungestört planen kann, mußte  den „Frappanties“eine Ausweichfläche in Altona angeboten werden. Die Finanzbehörde stoppte damals diese Idee. Ende April 2011 wurde das Gebäude kurzfristig besetzt um ein autonomes Stadtteilzentrum dort einzurichten. Den aufgebauten politischen Druck nutzte dann die Bezirks Spd, um ein sogenanntes Kreativwirtschaftscluster bei der Finanzbehörde durchzusetzen, „die bisher eher an einem Verkauf des Gebäudes interessiert war“ (taz Hamburg 14.10.11). Die Initiatoren der Kampagne“Autonomes Zentrum Altona“ stellten sich etwas anderes denn die Vermietung an Kunsthandwerker vor (bei Mietpreisen zwischen 6 und 10 €) unter Kreativwirtschaftlicher Kontrolle vor. Und nachdem bei der Besetzung keine Vermittlungsangebote von Seiten der Stadt  gemacht wurden, gab es keine Verhandlungen mehr. Dafür flatterten den 40 BesetzerInnen im Dezember 2012 Strafbefehle wegen Hausfriedensbruch ins Haus. „Insgesamt verlangt die Staatsanwaltschaft 20.000 Euro Strafe von den Aktivisten. Die Betroffenen werden Widerspruch einlegen, so dass eine Flut von Prozessen zu erwarten ist. (Taz 11.12.12)

Kommentar (Taz 12.12.12) „Interessant ist, wer nun in dem Finanzamt residiert:

neben einer Schauspielschule und anderen Mietern sitzt im 5.Stock das Institut für Kultur- und Medienmanagement (KMM), eine „Zweigstelle“ der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Die Namensliste der dort (irgendwie) mitarbeitenden Professoren macht klar, daß es sich hier um einen Thinktank der Medien und Kulturwirtschaft handelt: http://kmm-hamburg.de/institut/team/professoren/

offenbar sollte ein KMM Schild das Gebäude zierenFoto-GB264-aussen-mit-schild-Kopie-Format-Web-507x320

das lohnt sich wohl nicht mehr, aktuell ist davon nichts zu sehen: gb264_ohne_KMM1

denn die Finanzbehörde hat weiterhin vor, das Gebäude zu verkaufen. (Hamburger Abendblatt 27.11.12):
„Das kreativste Amt der Stadt steht vor dem Aus.“ 

3 Mio € für die Freie Kunstszene Hamburgs

ein Aufruf vom Dachverband Freier Theaterschaffender Hamburg e.V. (1.2.2013):

Liebe Kolleg_innen,
die finanzielle Situation der freien Theater- und Tanzszene in Hamburg ist verheerend, das wurde bereits in einer vor 2 Jahren im Auftrag der Kulturbehörde durchgeführten Studie der Universität Hamburg festgestellt. Nicht nur die hohe Qualität und das kreative Potential der Freien Szene wird von den externen Gutachtern bestätigt, sie haben vor allem eine chronische Unterfinanzierung ermittelt.
Zum Überleben benötigt die Freie Theater- und Tanzszene in Hamburg laut Studie einen Betrag von 2,5 Mio. Euro. Derzeit wird sie mit rund 1 Mio. Euro jährlich gefördert. Das entspricht etwa 0,01 Prozent des öffentlichen Haushalts der Hansestadt und liegt damit deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt!
Der Dachverband Freier Theaterschaffender Hamburg e.V. fordert seither den in der Studie ermittelten Fehlbetrag von 1,5 Mio. Euro von der Kulturbehörde ein. Doch nichts passiert! Zwar äußern Politiker und Behördenmitarbeiter stets freundliches Verständnis für die Nöte der Freien Künstler, doch auch im Doppelhaushalt 2013/14 wurden diese konsequent ignoriert.
Ab Januar 2013 wird nun eine Kultur- und Tourismustaxe in Hamburg eingeführt und wieder soll der Kelch über die Köpfe der Freien Szene hinweg an die etablierten Institutionen durchgereicht werden!
Diese provinzielle, systematische Miss- bzw. Nichtbeachtung der gesamten freien Kulturszene durch Behörde und Senat, die sich seit vielen Jahren und über alle Parteien hinweg in Hamburg etabliert hat, muss ein Ende haben. Das Kulturschaffen wird in urbanen Situationen ganz massiv von dieser freien Szene mitgeprägt. Sie ist der Nährboden für das, was neben den bürgerlich etablierten Systemen ein Gefüge schafft, ohne das die Kultur dieser Stadt undenkbar wäre.
Die Stadt Hamburg muss endlich damit beginnen, ihren kulturellen Nährboden angemessen zu pflegen! Wir fordern daher die Einführung eines Festbetrags aus den Mitteln der Kultur- und Tourismustaxe für die GESAMTE FREIE KULTURSZENE HAMBURGS in Höhe von 3 Mio. Euro. Davon fordert der Dachverband mindestens 500.000 Euro für die freie Theater- und Tanzszene, deren kreatives Potential durch das chronische finanzielle Ausbluten der vergangenen Jahre massiv gefährdet ist.
Weiterhin fordern wir eine schrittweise Aufstockung der Fördermittel für die Freie Theater- und Tanzszene aus dem Kulturetat, bis die bereits 2011 von der Universität Hamburg ermittelte Unterfinanzierung von 1,5 Mio. Euro ausgeglichen ist.

Viele Grüße
Sören Fenner für den Vorstand des
Dachverbands Freier Theaterschaffender Hamburg e.V.
http://www.freie-theater-hamburg.de
http://dfthh.theaterblogs.de